glasstec 2026: LiSEC LSP-A – Zwei Laser, ein System für flexible Glasbearbeitung
Mit der LSP-A präsentiert LiSEC auf der glasstec 2026 eine Laserlösung, die zwei unterschiedliche Laserprozesse in einer Anlage vereint. Elias Leichtfried spricht im Interview darüber, wie die Kombination aus Gravieren und präzisem Entschichten neue Anwendungsfelder eröffnet, von Vogelschutzglas bis hin zu funktionalen Hightech-Verglasungen.
Herr Leichtfried, welchen Ansatz verfolgt LiSEC mit der LSP-A im Bereich der Laserbearbeitung?
Elias Leichtfried: Der zentrale Gedanke hinter der LSP-A ist es, zwei unterschiedliche Laserstrahlquellen in einer Anlage zu vereinen und diese flexibel einsetzen zu können. Der USP unserer Maschine ist, dass beide Laserprozesse in einem System kombiniert werden und dabei vollständig ohne Additive oder Verbrauchsmaterialien auskommen.
Ziel war es, eine Lösung zu schaffen, mit der sich sowohl Glasoberflächen strukturieren als auch funktionale Beschichtungen gezielt entfernen lassen. Dadurch eröffnen sich Anwendungen, die mit konventionellen Verfahren nur eingeschränkt oder gar nicht realisierbar sind.
Welche Aufgaben übernehmen die beiden Laserstrahlquellen konkret?
Elias Leichtfried: Die erste Laserstrahlquelle ist ein CO₂‑Laser, der direkt auf das Glas wirkt. Dabei erfolgt ein sehr geringer Materialabtrag, der das Glas je nach Einstellung mattiert oder graviert und einen klaren optischen Kontrast erzeugt.
Dieser Prozess eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungen. Ein zentrales Produkt ist Vogelschutzglas, bei dem punktförmige Strukturen in einem definierten Raster aufgebracht werden, um das Glas für Vögel sichtbar zu machen und Kollisionen zu vermeiden. Darüber hinaus lassen sich dekorative Motive wie Schriften, Logos oder Bilder realisieren.
Ein weiteres Anwendungsfeld sind rutschhemmende Gläser. Hier werden sehr dichte Punktstrukturen erzeugt, die geprüfte und zertifizierte Rutschhemmung in den Klassen R9 und R10 ermöglichen.
Und wofür wird die zweite Laserstrahlquelle eingesetzt?
Elias Leichtfried: Die zweite Laserstrahlquelle ist ein Nahinfrarot-Laser (NIR), der für das Entfernen von Beschichtungen eingesetzt wird. Das Glas selbst bleibt komplett unberührt, es wird ausschließlich die Beschichtung entfernt.
Diese Art der Laserentschichtung ist besonders dort notwendig, wo herkömmliche mechanische Verfahren an ihre Grenzen stoßen. Ein typisches Beispiel sind Signalgläser oder Heizgläser. In diesen Anwendungen können extrem feine Gitterstrukturen mit einer Dicke von nur wenigen 20 µm in die Beschichtung eingebracht werden. Da meist nur wenige Prozent der Beschichtung entfernt werden, bleibt deren Funktion uneingeschränkt erhalten. So kann Glas beispielsweise für Mobilfunkstrahlung durchlässig gemacht oder für Heizglas vorbereitet werden.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Spiegelentschichtung. Mit dem Laser lässt sich die Spiegelschicht gezielt und vollständig entfernen, ohne das darunterliegende Glas zu mattieren – ein klarer Vorteil gegenüber konventionellen Verfahren.
Was unterscheidet die LSP-A von LiSEC aus Ihrer Sicht vom Marktumfeld?
Elias Leichtfried: Wir sind aktuell die einzigen, die beide Laserprozesse – Gravieren und Entschichten – in einer Maschine vereinen und dabei komplett ohne Zusatzstoffe oder Verbrauchsmaterialien arbeiten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Produktivität. Gerade beim Vogelschutzglas erreichen wir mit zwei simultan arbeitenden CO₂‑Laserstrahlquellen eine Leistung von ca. 55 bis 60 Quadratmetern pro Stunde. Die Laser bearbeiten dabei die Glasscheibe parallel in einem Mäanderverfahren, was diese hohen Durchsatzwerte ermöglicht.
Wie lässt sich die LSP-A in bestehende Produktionsumgebungen integrieren?
Elias Leichtfried: Die Anlage ist sehr flexibel ausgelegt und kann nahezu an jedem Punkt der Prozesskette integriert werden. Die Bearbeitung kann sowohl vor als auch nach dem Härten erfolgen, ohne die Glasfestigkeit zu beeinträchtigen – dies wurde durch entsprechende Prüfungen verifiziert.
Die LiSEC LSP-A kann vollautomatisch in bestehende Linien eingebunden werden, häufig als Bypass‑Lösung, oder auch als Einzelmaschine betrieben werden. Mehrere Gläser lassen sich gesammelt bearbeiten, während der Bediener parallel andere Tätigkeiten übernehmen kann.
Lasertechnik wird oft mit erhöhten Sicherheitsanforderungen verbunden. Wie geht LiSEC damit um?
Elias Leichtfried: Unsere Anlagen werden als Laserschutzklasse‑1‑Systeme ausgeliefert. Das bedeutet, dass der Bediener keinen zusätzlichen Laserschutz benötigt. Es sind weder Laserschutzvorhänge noch spezielle Schutzräume erforderlich, da alle Sicherheitseinrichtungen bereits in der Anlage integriert sind.
Auch das Thema Energieeffizienz spielt eine wichtige Rolle. Die eingesetzten Laser arbeiten mit wenigen hundert Watt, die Achsen sind sehr energieeffizient. Der Hauptenergiebedarf entsteht durch Absaugung und Kühlung, liegt jedoch deutlich unter dem von vor‑ oder nachgelagerten Prozessen.
Für welche Anwender ist die LSP-A besonders interessant?
Elias Leichtfried: Insgesamt ist das Einsatzspektrum sehr breit und reicht quer durch unterschiedliche Marktsegmente. Typische Einsatzbereiche finden sich im Fassadenbau, etwa bei Vogelschutz oder Signalglas. Gleichzeitig ist die Anlage auch für Interieur Anwendungen interessant, beispielsweise für Design oder Raumtrenner-Elemente. Darüber hinaus ermöglichen kombinierte Anwendungen wie Spiegelentschichtung und ‑gravur die Realisierung hinterleuchteter Spiegel oder integrierter Touch‑Funktionen.
Key Takeaways
- Zwei Laserstrahlquellen für Gravieren und Entschichten in einer Anlage
- Alternativ zwei CO₂ Quellen für höhere Produktivität
- Keine Additive oder Verbrauchsmaterialien erforderlich
- Hohe Produktivität, insbesondere bei Vogelschutzglas
- Flexible Integration in Produktionslinien oder als Einzelmaschine
- Laserschutzklasse 1 und energieeffiziente Auslegung













